Was ist Kunst?

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Es gehört zu den unschätzbaren Auswirkungen der Philosophie Wittgensteins, dass man die Frage gestellt hat, ob ein Begriff von Kunst überhaupt definierbar ist. Wenn schon der Begriff des Spiels undefinierbar bleiben muss, dann wohl auch der Begriff der Kunst. Negiert ist mit der Aussage Wittgensteins aber nur, dass es eine für alle Beobachter eindeutig bezeichnende Definition von Kunst gibt. Das lässt den Ausweg offen, Wesensfragen und Fragen des Konsenses aller Beobachter nicht mehr zu stellen, sondern die Bestimmung dessen, was als Kunst zählt, einem bestimmten Referenzsystem zu überlassen. Alle anderen Beobachter werden in die Position von Beobachtern zweiter Ordnung verwiesen: Sie müssen sich darauf beschränken, zu berichten, was dieses Referenzsystem als Kunst bezeichnet. Es steht diesen Beobachtern offen, die gegebene Definition an- oder abzulehnen und ggf. weitere Kommunikationen anzuschließen. Das Referenzsystem, auf das wir uns in diesem Beitrag beziehen, ist eine Ausprägung des Wissenschaftssystems: der operative Konstruktivismus.

 

Der operative Konstruktivismus

Der operative Konstruktivismus geht von der Annahme aus, dass das Bewusstsein im Netzwerk seiner eigenen rekursiven Operationen, seinen Gedanken, ohne Kontakt mit der Umwelt eingeschlossen ist. Es ist also weder ein Durchgriff in die Umwelt möglich, noch können Umweltsysteme wie etwa andere Bewusstseinssysteme an den Operationen des Bewusstseins teilhaben. Gedanken können also weder Dinge aus der Umwelt berühren, noch kann ein Bewusstsein in die Gedankenwelt eines andere Bewusstseins eintreten.

Operativ geschlossene Systeme – wie Bewusstseinssysteme – können lediglich im Wege struktureller Kopplung aufeinander einwirken, indem sie durch autonome Reaktionen auf erfahrene Irritationen entsprechend ihres Operationsmodus eigene Strukturen respezifizieren. Sowohl Organismus als auch Kommunikationssysteme sind relevante Umwelten für das Bewusstsein, die dessen Entwicklung beeinflussen, indem sie für Irritationen sorgen. So ist das Bewusstsein etwa auf die Sensoren (= Sinnesorgane) des Organismus als relevante Umwelt angewiesen, sodass deren Sensibilität die Wahrnehmungsmöglichkeiten des Bewusstseins begrenzen. Der Organismus ist folglich das Medium, das extrakorporale Ereignisse mit der Wahrnehmung des Bewusstseins verbindet.

Da Bewusstseinssysteme aufgrund operativer Schließung füreinander unzugänglich sind, ist für die Koordination der Aktionen unterschiedlicher Akteure Kommunikation not­wen­dig. Ein Kommunikationssystem – ebenfalls ein operativ geschlossenes und sich selbst reproduzierendes System – entsteht, wenn mehrere (mindestens zwei) Organismen so gekoppelt werden, dass sie füreinander relevante Umwelten bilden, d.h., dass sie sich in der Interaktion miteinander gegenseitig irritieren. Was Bewusstsein und Kommunikationssystem verbindet, ist, dass beide Systeme Sinn prozessieren bzw. sich im Medium Sinn formen.

Im Gegensatz zum Bewusstsein, dessen Operationen und Letzt­elemente aus Gedanken bestehen, sind die Operationen und Letztelemente eines sozialen Systems Kommunikationen. Kommunikation ist die Synthese aus Information, Mitteilung und Verstehen. Kommunikation kann nicht als „Übertragung“ von Informationen von einem operativ geschlossenen Bewusstseinssystem auf ein anderes begriffen werden. Sie ist eine eigenständige Art der Formbildung im Medium Sinn, die zwar bewusstseinsmäßige Lebewesen voraussetzt, aber auf keines dieser Lebewesen und auch nicht auf alle zusammen zugerechnet werden kann. Sie vollzieht eine im Vergleich zum Bewusstsein sehr langsam arbeitende, sehr zeitraubende Sequenz der Transformation von Zeichen (was u.a. heißt, dass das an der Kommunikation teilnehmende Bewusstsein Zeit hat für eigene Wahrnehmung, eigene Imaginationen, eigene Gedankenarbeit). Sie bildet dadurch ein operativ geschlossenes System und kann in dieser Organisationsform weder Wahrnehmungen aufnehmen noch Wahrnehmungen produzieren. Sie kann aber natürlich über Wahrnehmungen kommunizieren. Kommunikation kann also zwar Wahrnehmungen bezeichnen, aber das, was sie bezeichnet, bleibt für Kommunikation operativ unzugänglich. Daraus folgt, dass Informationen im Kommunikationsprozess auch dann eine Fremdreferenz zum Ausdruck bringt, wenn sie den Zustand eines der beteiligten Bewusstseinssysteme bezeichnet – wie wenn jemand sagt: ich möchte auch so schön dichten können. Die Begriffe In­formation, Mitteilung und Verstehen müssen daher ohne direkte psy­chi­sche Referenz gebraucht werden. Nur weil die operative Schließung das Innere des Lebens, Wahrnehmens, Imaginierens, Denkens verschließt, ist er als ewiges Rätsel attraktiv. Nur deshalb ist die Erfahrung mit anderen Menschen reicher als jede andere Naturerfahrung; und nur deshalb gerät man in Versuchung, eigene Annahmen in der Kommunikation zu testen. Nur deshalb sind Liebende dafür bekannt, dass sie endlos miteinander über sich selbst reden können und nichts anderes sie interessiert.

 

Kunst als Kommunikationsmedium

Wenn allgemein gilt, dass Bewusstseinssysteme nie in einem anderen Bewusstsein vollzogen werden können und dieses daher, auch wegen seiner Komplexität und seiner historisch-selbstreferentiellen Operationsweise, intransparent bleibt, so gilt dies auch für den durch seine Werke distanzierten Künstler und seine Bewunderer. Da aber ganz offensichtlich Kommunikation trotzdem zustande kommt, trotzdem mit Kausalattributionen arbeitet, trotzdem Kommunikation sich unausweichlich selbst reproduziert, muss Kunst eine Art von Kommunikation sein, die Wahrnehmung in spezifischer Weise in Anspruch nimmt.

Um wahrgenommen zu werden, braucht Kommunikation eine hohe Auffälligkeit im Wahrnehmungsfeld. Sie muss faszinieren können – sei es durch eine besondere Art von Geräuschen, sei es durch besondere Körperhaltungen, die nur als Ausdrucksverhalten erklärbar sind, und sei es schließlich durch besondere konventionelle Zeichen, durch Schrift. Sprachliche Kommunikation ist in der Wahrnehmungswelt bereits etabliert. Sie verfügt im Kommunikationssystem über eigene Operationen und über eigene, durch diese Operationen aufgebaute Strukturen, über eigene Genauigkeitsanforderungen und eigene Fehlertoleranzen. Sie ist – wie bereits angedeutet – auf operativer Ebene sehr langsam, also sehr zeitaufwendig. Sie muss alles, was kommuniziert wird, in eine zeitliche Sukzession von Informationen bringen, d.h. in eine Abfolge von Zustandsänderungen des Kommunikationssystems.

Das führt zu der Frage: Gibt es Alternativen zu sprachlicher Kommunikation? Nach allem, was gesagt ist, kann es dabei – aufgrund operativer Schließung – nicht um Bewusstseinsleistungen, Wahrnehmungen, Imaginationen etc. gehen. Zugespitzt muss es um nichtsprachliche Kommunikationen gehen, die die gleiche Struktur einer Reproduktion von Information, Mitteilung und Verstehen verwirklichen, aber nicht an die spezifischen Besonderheiten der Sprache gebunden sind und den Bereich gesellschaftlicher Kommunikation (was immer ein Bewusstsein dabei erlebt) über das sprachlich Sagbare hinaus erweitern. Neben indirekter Kommunikation wie etwa standardisierten Gesten bildet Kunst ein funktionales Äquivalent zur Sprache. Es handelt sich dabei um Kommunikation durch Kunst, nicht um Kommunikation über Kunst.

Kunst erreicht, unter Vermeidung, ja Umgehung von Sprache eine strukturelle Kopplung von Bewusstseinssystemen und Kommunikationssystemen. Kunst gewinnt ihre Eigenart daraus, dass sie es ermöglicht, Kommunikation stricto sensu unter Vermeidung von Sprache, also unter Vermeidung all der Sprache hängenden Normalitäten durchzuführen. Ihre Formen werden als Mitteilung verstanden, ohne Sprache, ohne Argumentation. Anstelle von Worten und grammatischen Regeln werden Kunstwerke verwendet, um Informationen auf eine Weise mitzuteilen, die verstanden werden kann. Kunst ermöglicht damit auch gerade dort, wo sie selbst sprachliche Mittel verwendet (z.B. in der Poesie), andere Effekte. Sprache muss alt sein, Kunstwerke müssen neu sein. Ausgeschlossen ist damit natürlich nicht die sekundäre Kommunikation auf der Ebene der Kunstkritik und der Kunstkommentierung, des Bekanntmachens, Empfehlens oder Ablehnens von Kunstwerken. Vielmehr soll behauptet sein, dass das Kunstwerk selbst ausschließlich als Mittel der Kommunikation hergestellt wird.

Dies geschieht durch einen zweckentfremdeten Gebrauch von Wahrnehmungen. Wahrnehmung ist ein zugleich lebenswichtiges und gelerntes Operieren. Wie immer verlässt das Bewusstsein auch hier sich auf sich selbst, auf seine Gewohnheiten oder genauer: auf sein aktuell operierendes Gedächtnis, auf rasch und unbewusst vollzogene Konsistenzprüfungen und v.a.: auf Einsparen von Aufmerksamkeitskapazität durch Weglassen. Sehen ist Nichtsehen. Offenbar sucht Kunst ein anderes, nichtnormales, irritierendes Verhältnis von Wahrnehmung und Kommunikation, und allein das wird kommuniziert.

Alles künstlich hergestellte provoziert den, der es wahrnimmt, zu der Frage: wozu? Es geht folglich um die Provokation einer Sinnsuche, die durch das Kunstwerk selbst Beschrän­kun­gen, aber nicht notwendigerweise auch Ergebnisse vorgezeichnet enthält. Am Anfang ist die Differenz, der Einschnitt einer Form, die das weitere  zu regulieren beginnt; und zwar einer Form, die Wahrnehmbares strukturiert und zugleich als „künstlicher“ Einschnitt eine Differenz von Information und Mitteilung in die Welt setzt. Und selbst wenn die Form als Zufall, als vom Alltag nicht unterscheidbar, als Nonsens eingeführt wird, bliebt umso mehr die Frage, warum gerade dies nun als Kunst produziert wird. Die Differenz kann, einmal als Kunst gewollt und erkannt, nicht wieder verschwinden. Sie wird als Kunst produktiv – oder nicht. Sie unterscheidet sich in jedem Fall vom Ingangsetzen einer sprachlichen Kommunikation dadurch, dass sie im Medium des Wahrnehmbaren oder Anschaulichen operiert, ohne die spezifische Sinnleitung der Sprache in Anspruch zu nehmen. Sie mag sich dabei sehr wohl sprachlicher Mittel bedienen, etwa als Dichtung, aber nur, um in einer Weise aufzufallen, die nicht allein auf dem Verstehen des Gesagten beruht. So lässt sich etwa die Aussage eines Gedichtes nicht paraphrasieren, nicht in der Form eines Satzes zusammenfassen, der dann wahr oder falsch sein kann. Der Sinn wird über Konnotationen, nicht über Denotationen vermittelt, über die ornamentale Struktur der sich wechselseitig einschränkenden Verweisungen, die in der Form von Worten auftreten, aber nicht über den Satzsinn, nicht über den propositionalen Sinn der Aussagen.

Die Auffälligkeit der akustischen oder optischen Sprachmittel erzeugt eine Faszination, die zur Information wird. Kunstwerke müssen daher sowohl in sich als auch im Verhältnis zueinander Informationen bieten können – sei es durch Neuheit, sei es dadurch, dass die Beobachtungen des Betrachters nicht eindeutig festgelegt sind und von Durchgang zu Durchgang variieren können. Nicht zuletzt liegt darin eine Prämie auf Komplexität des Arrangements der Formen, denn das bietet eine Chance, auch bei wiederholtem Durchgang immer wieder etwas Neu­es zu entdecken, was dann um so überraschender kommt. Und umgekehrt bedeutet der Verzicht auf Komplexität, dass dann um so auffälligere oder skandalösere Formen des Neuseins angeboten werden müssen. Für die Kommunikation von Kunst kommt hinzu, dass sie gar nicht auf eine Automatik des Verstehens abzielt, sondern inhärent vieldeutig angelegt ist (sog. polysémie), und dies unabhängig davon, ob die Divergenz der Betrachtungsmöglichkeiten eingeplant war oder nicht. Es bezeugt deshalb geradezu die Qualität eines Kunstwerks, dass die Betrachter sich nicht auf eine einhellige Interpretation verständigen können.

 

Die Funktion von Kunst

Was ist nach all dem die Funktion von Kunst? Man könnte von der Feststellung ausgehen, dass die Kunst Wahrnehmung in Anspruch nehmen muss und damit das Bewusstsein bei seiner Eigenleistung, bei der Externalisierung packt. So gesehen, wäre es die Funktion der Kunst, etwas prinzipiell Inkommunikables, nämlich Wahrnehmung, in den Kommunikationszusammenhang der Gesellschaft einzubeziehen. Schont Kant hatte die Funktion der Kunst (der Darstellung ästhetischer Ideen) darin gesehen, dass sie mehr zu denken gibt, als sprachlich und damit begrifflich gefasst werden kann. Das Kunstsystem konzediert dem wahrnehmenden Bewusstsein sein je eigenes Abenteuer im Beobachten der Kunstwerke – und macht die dafür Anlass gebende Formwahl dennoch als Kommunikation verfügbar. Anders als die sprachliche Kommunikation, die allzu direkt auf eine Ja/Nein-Bifurkation zustrebt, lockert die über Wahrnehmung geleitete Kommunikation die strukturelle Kopplung von Bewusstsein und Kommunikation. Die in der Wahrnehmungswelt vorhandenen Bewegungsfreiheiten werden gegen die Engführungen der Sprache wiederhergestellt. Und die innerpsychische Verkapselung verhindert, dass man das Wahrgenommene einem Konsenstest unterwerfen kann. Das ist wiederum nur auf der Ebene der verbalen Kommunikation, der Kommentierung möglich.

In der alten Lehre lag der Sinn der Kunst im Erregen eines Gefühls des Staunens und der Bewunderung (admiartio). Das konnte die Seele in einen anders nicht erreichbaren Zustand der Besinnung, des Abstands von Alltag bringen und sie auf das Wesentliche hinweisen.

Was die Wahrnehmung auszeichnet, ist aber auch v.a. ein eigenständiges Verhältnis von Redundanz und Varietät. Sie ermöglicht in einer Weise, die durch kein Denken und keine Kommunikation einzuholen ist, eine gleichzeitige Präsenz von Überraschung und Wiedererkennen. Wahrnehmungsmöglichkeiten benutzend und steigernd, sie gleichsam ausbeutend, kann die Kunst die Einheit dieser Unterscheidung präsentieren; oder anders gesagt: das Beobachten zwischen Überraschung und Wiedererkennen oszillieren lassen. Das staunende Vergnügen, von dem in der Antike die Rede war, bezieht sich auf die Einheit der Differenz dieser Paradoxie, dass Überraschung und Wiedererkennen aneinander steigerbar sind.

Kunstwerke etablieren schließlich auch eine eigene Realität, die sich von der gewohnten Realität unterscheidet. Es konstituiert, bei aller Wahrnehmbarkeit und bei aller damit unleugbaren Eigenrealität, zugleich eine dem Sinne nach imaginäre oder fiktionale Realität. Die Welt wird, wie in andere Weise auch durch den Symbolgebrauch der Sprache oder durch die religiöse Sakralisierung von Gegenständen oder Ereignissen, in eine reale und eine imaginäre Realität gespalten. Offenbar hat die Funktion der Kunst es mit dem Sinn dieser Spaltung zu tun – und nicht einfach mit der Bereicherung des ohnehin Vorhandenen durch weitere (und seinen es schöne) Gegenstände. Erst dank dieser Differenzierung innerhalb der Unterscheidung von realer Realität und fiktionaler, imaginierender Realität kann es so etwas wie ein Realitätsverhältnis geben, für das die Kunst dann verschiedene Formen ausprobieren kann – sei es um Realität zu „imitieren“ in dem, was sie nicht ohne weiteres zeigt (z.B. ihre Wesensformen, ihren Ideen, ihrer göttlichen Perfektion), sei es um sie zu „kritisieren“  in dem, was sie nicht ohne weiteres zugibt (ihren Unzulänglichkeiten, ihrer „Klassenherrschaft“, ihrer nur kommerziellen Orientierung); sei es, um sie zu affirmieren dadurch, dass ihre Darstellung gelingt und so gut gelingt, dass es Freude bereitet, das Kunstwerk herzustellen und zu betrachten. Mit imitativ/kritisch/affirmativ sind die Möglichkeiten keineswegs ausgeschöpft. Eine andere Intention kann darin bestehen, den Betrachter als Individuum anzusprechen und ihn in eine Situation hineinzumanövrieren, in der er selbst der Realität (und nicht zuletzt: sich selbst) gegenübersteht und sie in einer Weise beobachten lernt, die er sich im Alltagskontext nicht aneignen könnte. Man wird hier v.a. an den Roman, aber auch Computerspiele zu denken haben. Auch das ist eine Imitation, die sich aber nicht unmittelbar auf die reale Realität bezieht, sondern auf das Hinüberkopieren einer imaginären Realität in eine andere imaginäre Realität.

Gerade dadurch, dass die Kunst ihre Formen in Dingen niederlegt, kann sie darauf verzichten, eine Entscheidung für Konsens bzw. Dissens oder zwischen Affirmation bzw. Kritik der Realitäten zu erzwingen. Sie bedarf keiner vernünftigen Begründung, und sie macht dadurch, dass sie ihre Überzeugungskraft im Bereich des Wahrnehmbaren entfaltet, auch wahrnehmbar, dass sie keiner Begründung bedarf. Das Vergnügen, das nach alter Lehre die Betrachtung eines Kunstwerks bereitet, enthält immer auch ein Moment der Schadenfreude, ja des Spotts über die vergeblichen Bemühungen um einen vernünftigen Zugang zur Welt. Im 20. Jahrhundert findet man sogar Kunstwerke, die genau diese Differenz von realer Realität und imaginärer (oder fiktionaler) Realität aufzuheben versuchen, indem sie sich so präsentieren, dass sie von Realobjekten nicht mehr unterschieden werden können.

Nach all dem kann man sagen, es sei die Funktion der Kunst, Welt in der Welt erscheinen zu lassen – und dies im Blick auf die Ambivalenz, dass alles Beobachtbarmachen etwas der Beobachtung entzieht, also alles Unterscheiden und Bezeichnen in der Welt die Welt auch verdeckt. Ein Kunstwerk kann den Wiedereintritt der Welt in die Welt dadurch symbolisieren, dass es, wie die Welt selbst, als nicht ergänzungsfähig erscheint.